Zur falschen Zeit Roman
Am Anfang steht eine Fotografie. Was Alain Claude Sulzer auf den ersten Seiten seines Romans behutsam und langsam aus ihr herausschält, ist fast so spannend zu lesen wie eine gute Kriminalgeschichte. Die alte Fotografie zeigt ein Porträt des früh verstorbenen Vaters des Ich-Erzählers, der sich plötzlich fragt: Was trägt der Vater da eigentlich für eine Uhr? Da die Mutter nicht über den Mann reden mag, macht sich der Sohn auf, um der einzigen konkreten Spur nachzugehen. Er tastet sich ahnungsvoll und doch lange noch überfordert von dem, was ihm da entgegenkommt, an das Familiengeheimnis heran. In einer zurückhaltenden, aber in ihrer Präzision intensiven Sprache schildert Sulzer seine Verwirrungen und seine Neugier, und man lässt sich gerne von den leisen, zarten Tönen des Basler Schriftstellers durch die Geschichte tragen. Die suchende Bewegung im Text, die am Anfang so faszinierend ausgebreitet wird, fällt allerdings streckenweise in sich zusammen, wenn im zweiten Teil die Ereignisse fast lückenlos aufgeklärt werden. Alles in allem aber beweist Zur falschen Zeit einmal mehr, wie Sulzer bedeutungsvolle Details gekonnt zu inszenieren vermag. (Bettina Spoerri)