Unter Tieren
Prosa

Kurzkritik

Dieter Bachmann hat als Publizist und Autor vierzig Jahre Kulturleben der Schweiz mitgeprägt. Zu seinem siebzigsten Geburtstag wendet er sich mit Hebel, seinem Alter Ego, von der allzu geschäftigen Menschheit ab, hin zur Gelassenheit der Tiere. Mit dem alemannischen Kalenderautor der Aufklärung hat sein Hebel die Aufmerksamkeit für bedeutsame Kuriosa aus Geschichte und Gegenwart der ganzen Welt gemein und seine Neigung, sie mit aphoristisch pointierten Formulierungen in Prosaminiaturen festzuhalten. Capriccios nennt er diese und sucht darin wie im Bocks- oder lieber Antilopensprung die «unerwartete Wendung» und «das nicht Endgültige, das Offene». Im Übrigen aber hat der aufgeklärte Humanist einem aufklärungskritischen Animalisten Platz gemacht. Die Dialektik der tierischen Aufklärungskritik besteht darin, dass dieser an der Stelle des Tiers reden muss, das «ums Verrecken nichts sagen» will, doch «indem man für es spricht, hat man es auch schon vereinnahmt». Einmal mehr geht Aufklärungsskepsis mit höchster Klarsicht einher. (Daniel Rothenbühler)