Ausgekippt im All
Erzählungen

«Wir sind alles nur Sterne. Ausgekippt im All. Oder Atome. Die sich kurz verbinden, bevor sie weiterdriften.»
In den 17 Erzählungen des vorliegenden Bandes prägt dieses Lebensgefühl die meisten der jungen Hauptfiguren, die sich inmitten urbaner Landschaften ihre eigenen Inseln eingerichtet haben. So unterschiedlich ihre Umlaufbahnen auch sind, so durchzieht sie dieselbe Melancholie des Erzähltons und eine atmosphärische, bildhafte Sprache, die den Leser auf sinnliche Weise ganz dicht ans Geschehen heranführt.

Kurzkritik

Ob Zürcherin in Berlin, Deutsche in Zürich oder Schweizerin in der Ukraine, in Kanada, in Helsinki oder auf Korsika, Doris Wirths junge Frauen sind auf der Durchreise oder richten sich provisorisch ein. Wohnungen wie Beziehungen halten nicht lange, Stimmungen wechseln, die Ich-Erzählerinnen oder die Leas, Pias und Maras warten und wissen nicht, worauf. Vorstellung und Realität passen selten zusammen, noch seltener bei zwei Menschen gleichzeitig. Das literarische Debüt der in Berlin lebenden Zürcher Autorin (Jahrgang 1981) wirkt manchmal selbst etwas vage, besticht aber immer wieder mit knappen, treffenden Bildern.

(Ruth Gantert, Viceversa 8, 2014)