Die Reise zum Horizont Novelle
Die Auseinandersetzung mit dem Tod steht im Zentrum von Amanns jüngsten Publikationen: In Nichtsangst (2008) versammelte er Fragmente auf Tod und Leben; Aphorismen, die auf die Überwindung des Todes abzielen und eine Hymne auf das Überleben anstimmen: «Die Unfassbarkeit und die Unannehmbarkeit des Todes und die Auflehnung dagegen, das ist alles, daraus lässt sich alles erklären. Alles.», liest man darin, oder: «Alles ist Lebenstrieb. Es gibt nur den Lebenstrieb.» Die Novelle Die Reise zum Horizont füllt diese abstrakten Reflexionen nun mit (Über-)leben. Erzählt wird eine wahre Begebenheit: Der Flugzeugabsturz am 13. Oktober 1972, der als «Wunder der Anden» in die Geschichte eingegangen ist. 16 von 45 Menschen an Bord konnten nach 72 Tagen im Eis auf 4000 Metern Höhe gerettet werden. Sie überlebten einzig deshalb, weil sie sich von den verstorbenen Passagieren ernährten. Amann hat die Fakten minutiös recherchiert, seine Novelle geht aber über das rein Dokumentarische hinaus. In dichter Sprache legt er den Fokus auf den Tabubruch des Kannibalismus und berührt so ethische Grundfragen. (Christa Baumberger)