Die unerbittliche Brutalität des Erwachens Roman
Pascale Kramer ist eine Meisterin der Dokumentation alltäglicher Balanceakte am Rande des Abgrunds. Die 1961 in Genf geborene und vielfach preisgekrönte Autorin widmet sich mit Vorliebe den Dramen innerhalb einer Familie und insbesondere jenen, die gegen aussen wenig, aber in der Seele deutlich zu Tage treten. In ihrem vierten auf deutsch übersetzten Roman Die unerbittliche Brutalität des Erwachens schildert sie prägnant die Überforderung einer jungen Frau nach der Geburt des ersten Kindes. Nüchtern aber eindringlich zeigt sie, wie Alissas Prinzessinnentraum in einer unspektakulären Vorortssiedlung endet und ihre Bedürfnisse vom Geschrei des eigenen Nachwuchses übertönt werden. Die Autorin fördert mit präzisen Beobachtungen und sezierenden Sätzen Schicht für Schicht die eigentliche Tragik zu Tage: Egal, wie blühend die Träume einst waren und wie vielversprechend die Liebe begann; das Leben und Leiden des Einzelnen ist dann doch oftmals ziemlich banal. (Alexandra von Arx)