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Kurzkritik
Berlin (West, noch), Ende Wendejahr 1989, eine Umbruchzeit auch im persönlichen Bereich für Richard und Gunter, Wohngenossen einer Zweier-WG. Richard erlebt den Umbruch als schwärmerische Rückbesinnung auf die Zeit mit Mona in Mannheim/Heidelberg, Anfang der 1970er-Jahre, bevor er einsieht, dass nichts rückgängig zu machen ist. Gunter, Ex-K-Gruppen-Mitglied, träumt nur noch vom Aufbruch ins Kleinunternehmertum, was ihn sowohl mit seiner Gefährtin Johanna wie mit Richard entzweit. Der Roman erfasst die Ambivalenz von Still- stand und Umbruch im Wendejahr durch den Wechsel von epischem Ausholen und lyrischem Innehalten, und dies bis in seine Sätze, die uns Sog und Stau auf Mikroebene erfahren lassen.
(Daniel Rothenbühler, Viceversa 8, 2014)