Das Sehen versuchen Umverteilungsübungen
Kurzkritik
Birgit Kempkers lyrische Prosa oder essayistische Poesie ist nicht dazu angetan, simple Gewissheiten zu produzieren. Sehen, ins Bild setzen, verstehen, schöpfen: Sie stellt infrage, was wir wahrnehmen und wie wir es tun. Und wie sich die Welt dazu verhält. Am Ende der stetig kreisenden Versuche steht das Schreiben, und das Ich, »die das sieht«. Kempker entwickelt nicht ein ganzheitliches Konzept des Sehens, vielmehr lotet sie poetisch die mannigfachsten Verknüpfungen aus, die das Begriffsfeld des Sehens umgarnen. Die Sprache beweist dabei ihren elementaren Eigensinn. Entsprechend sind diese Versuche zu lesen.
(Beat Mazenauer, Viceversa 8, 2014)