Nacht ist der Tag
Roman

Presseschau

Nicht erst seit seiner Nominierung für den Man Booker International im Frühjahr gehört Peter Stamm zu den auch im Ausland erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren. Dass gerade ein so leiser, unaufgeregter Schriftsteller global verstanden wird, hat nicht nur mit der Qualität und Intensität seiner kammerspielhaften Prosa zu tun, sondern ebenso mit dem, was über die Literatur hinausreicht. In unserer durchleuchteten Zeit drohen die Wünsche, Träume und Ziele zu banalen Datensätzen zu werden. Indem er die Gewöhnlichkeit unserer inneren Ausnahmezustände nicht leugnet, sondern genau und ohne Überheblichkeit beschreibt, gibt Peter Stamm seinen Figuren und mit ihnen seinen Lesern ihr Geheimnis zurück. (Felicitas von Lovenberg, FAZ, 19.07.2013

Vielleicht ist es doch zu viel Kalkül, eine Rechnung, die auch der geneigte Leser nicht recht lösen kann. Dazu kommt, dass im Mittelteil, aus Huberts Sicht geschrieben, dessen künstlerische und menschliche Sterilität stark den Erzählton bestimmt. Und ebendort schleicht sich ein gewisser Erzähl- und Beschreibungsleerlauf ein, trotz grossartiger Sätze, die immer wieder aufscheinen und manchmal eine ganze Beziehungswolke auf den Punkt bringen. Nach einem fulminanten Anfang also: mehr und mehr literarische Konzeptkunst. Man staunt respektvoll, man folgt mit Aufmerksamkeit, man wundert sich zusehends. Diesen Roman aber zu lieben wie den vorangegangenen, wie die meisterhaften Erzählungen: Das fällt schwer. (Martin Ebel, Tages-Anzeiger, 21.07.2013)

Nicht das Pathos macht den Kitsch aus, aber der Glaube an die einfache Wahrheit. Und die einfache Wahrheit besteht hier und in Peter Stamms ganzem Roman darin, dass alles ausbuchstabiert und nichts im Ungefähren des nicht vollends Benennbaren gelassen wird, dass jedes Motiv pedantisch verdoppelt und verdreifacht wird, selbst wenn die Leser doch längst begriffen haben müssen, wo des Pudels Kern liegt. [...] Das ist die höhere Kunst der Lebenshilfe. (Roman Bucheli, NZZ, 22.07.2013

Kurzkritik

Eine Frau verliert bei einem Unfall ihr Gesicht und ihren Mann. Peter Stamm begleitet mit der ihm eigenen distanzierten Nähe in seinem neuen Roman diese Frau auf dem Weg in ein neues Leben. Dabei wird deutlich, dass, selbst wenn sich die äußeren Umstände komplett verändern, die Bedürfnisse und Ängste dieselben bleiben. Daran ändert auch nichts, dass Gillian noch im Spital durch das Loch in ihrem Gesicht, wo einst die Nase war, »in ihr Inneres« gesehen hat. Etwas gar routiniert platziert Peter Stamm in Nacht ist der Tag eine Vielzahl von Lebensweisheiten. Die aufgeladenen Botschaften übertönen zuweilen die stilistische Eleganz.

(Alexandra von Arx, Viceversa 8, 2014)