Kränken und anerkennen Essays
Kränkung ist ein grosses Thema im alltäglichen Leben von Autorinnen und Autoren, ein verbreitetes Gesprächsthema auch, sobald Akteure des Literaturbetriebs zusammentreffen. Jeder und jede geht anders damit um; die einen dürsten nach Rache, andere versuchen, sich davon unabhängig zu machen. Mit ihrem Essay Kränken und Anerkennen leuchtet die Zürcher Kultur- und Literaturwissenschaftlerin Corina Caduff ein emotional hochexplosives Feld aus. Nicht nur deshalb verschlingt man das Buch geradezu, sondern auch, weil es der Autorin gelingt, ihre kluge Analyse mit einem leichten Erzählton zu verbinden. Ausserdem reisst Caduffs intellektuelle Neugier ihre Leser mit – unerschrocken folgt man ihr sogar ins Reich der Toten. Und staunt immer wieder, wie sie von der konkreten Beobachtung zur kulturanalytischen Einsicht kommt.
Kränkungen, soviel zum Trost, sind viel weniger persönlich gegen einzelne Menschen gerichtet, als sie sich anfühlen. Denn sie sind Teil des Systems, in dem wir leben: «in jedem kompetitiv angelegten System gibt es Kränkung.» (Christine Lötscher)