Vom richtigen Gebrauch der Zeit
Gedichte

Kurzkritik

Nach Vierzig vorbei von 1988, veröffentlicht der grosse Moralist – Träumer ebenso wie Polemiker – hier seinen zweiten Gedichtband. Mehr als die anderen Gattungen bietet die Lyrik ihm die Gelegenheit, sich dem Thema der Zeit zu widmen, der Zeit, die eilt, die vergeht, die anhält und die vermisst wird. Die unterschiedlichen Weisen, Zeit zu erfahren, ergeben sich bei Hohler aus der unterschiedlichen Art, wie Menschen Beziehungen zueinander eingehen und erleben, wenn sie sich lieben oder hassen, suchen oder verpassen und – manchmal – finden. Solche Momente lassen sich nicht erzählen, sie zeigen sich aperçuhaft in einzelnen Bildern, die bei diesem Poeten oft für gedankliche Einfälle stehen. Das Gedicht bietet Hohler auch die Möglichkeit mit Menschen zu kommunizieren, die ihn geprägt haben, mit Bruno Manser zum Beispiel, oder mit den beiden Sophies, Sophie Taeuber-Arp und Sophie Scholl, und mit den grossen Poeten, die ihm lieb geworden sind: Giuseppe Ungaretti etwa oder Arthur Rimbaud. Mit ihnen kommuniziert er dadurch, dass er ihre Gedicht auf Schweizerdeutsch übersetzt, «is Parterre abe», «i d Matte / und hindenuse / auf d Gass». (Daniel Rothenbühler)