Notizen und Details 1964–2007

Kurzkritik

Es erregte nicht geringes Erstaunen, als die Jury Kurt Martis Kolumnenband unter die fünf Favoriten für den (Deutsch-)Schweizer Buchpreis 2010 einreihte. Bei näherem Zusehen aber ist das durchaus plausibel, handelt es sich dabei doch auf jeden Fall um eine der gewichtigsten Publikationen der jüngsten Zeit. Die 1400 Seiten Notate, Analysen und Stellungnahmen spiegeln nicht nur ein halbes Jahrhundert Schweizer und europäische Religions-, Sozial-, Kultur- und Politikgeschichte aus einem sorgsam abwägenden, exakt beobachtenden, manchmal polemischen, manchmal liebenswürdig ironischen Standpunkt heraus. Sie liefern zudem einen eklatanten Beweis dafür, dass es auch in Zeiten des schnellen Wechsels von Ideologien und Anschauungen einem unbestechlichen Theologen und Intellektuellen möglich ist, fünfzig Jahre lang öffentlich das Wort zu erheben, ohne sich am Ende korrigieren zu müssen. Marti ist aber nicht nur ein glaubwürdiger Moralist und Zeitkritiker, er ist darüber hinaus auch ein glänzender Stilist, der selbst das Komplexeste noch leicht fasslich darzustellen weiss und die Kolumne weit über den Tagesgebrauch hinaus zu einer literarischen Kleinform macht. (Charles Linsmayer)