Tetralogie der Erinnerung
«Ich bin ein Kind des Krieges», schrieb Dieter Forte in einem Aufsatz mit dem Titel «Schweigen oder sprechen»; ein Kind, das seine Träume nicht mehr loswird. Gegen die Vergänglichkeit hilft die Geschichte, in der sich das Familienmuster abbildet. In seiner Tetralogie der Erinnerung hebt Dieter Forte dieses Lebensmuster in Form einer Familienchronik über die Jahrhunderte hinweg auf. Vom Mittelalter bis in die Neuzeit haben die Fontanas ihr Webmuster-Buch durch alle Stürme der Verfolgung gerettet. Es überlebt auch den Terror des Nazismus und die schwere Trümmerzeit, die aus der Perspektive des Jungen erzählt werden. Schliesslich kommt dieser Junge in ein Lungensanatorium und lernt die «andere Seite der Welt» am Abgrund des Todes kennen. Um zu überleben, besinnt er sich auf das Familienmuster und beginnt «auf der Rückseite der Fieberkurve» seine Geschichte aufzuschreiben – so den Kreis schliessend. Forte gelingen in seiner Tetralogie eindrückliche Sprachbilder, in denen sich die Abgründe von Krieg und Not auftun, und die einzelne erzählerische Schwächen vergessen machen. (Beat Mazenauer)