Ganz oben
Roman

Olivier Kamm ist Anfang vierzig, Rechtsmediziner und beruflich ganz oben angekommen. Eines Tages findet er sich in einem geschlossenen Raum wieder, kann sich aber nicht erklären, wo und warum. Er glaubt, in einer Gefängniszelle einzusitzen, und vermutet, dass es bald zu einer Gerichtsverhandlung kommen wird. Mit Rollenspielen, die ihn schon als Kind oft aus misslichen Situationen retteten, bereitet Kamm sich darauf vor. Dabei kommen bruchstückhafte Erinnerungen wieder, Fragmente dreier Geschichten. Da ist die Episode in Lappland, als er aus Angst, selbst in Schwierigkeiten zu geraten, einen anderen ins Gefängnis gehen liess; da ist sein Vater, der sich nach Thailand absetzte; und da ist die Freundin, die im gemeinsamen Urlaub ertrank. Kamm erliegt einer Täuschung nach der anderen, und am Ende kommt es nicht nur für ihn zu einem überraschenden Ausgang.

Klappentext Lenos Verlag

Kurzkritik

Olivier Kamm ist Anfang vierzig, Rechtsmediziner und ganz oben – aber dann passiert »es«: Er befindet sich in einem geschlossenen Raum. Ganz unten kämpft er darum, aus dieser Situation – welcher eigentlich? – herauszukommen. Kamm glaubt sich in Haft, und so versucht er, sich mit Plädoyers freizusprechen, er wendet sich an das »Hohe Gericht«, er gesteht seine Fehler. Kamm stellt sich seiner Mutter, später seinem Vater, mit beiden tut er sich auch noch als Erwachsener – immer noch Sohn – schwer. Auch in diesem dritten Roman geht Andrea Gerster ganz nahe an ihren Protagonisten heran, Genauigkeit in der Sprache und Konsequenz in der Geschichte entwickeln einen mitreißenden Sog.

(Liliane Studer, Viceversa 8, 2014)