Die ägyptische Tochter Roman
Doppelte Freude für Stadtplaner Robert Bannwart: Das Parlament bewilligt sein Projekt Metropolis Media Center, das ein Leuchtturm der Filmstadt Zürich werden soll. Und seine Tochter Nora heiratet ihren Freund, den Arzt Sami. Doppelt auch diese Feier – auf die Trauung in der Schweiz folgt das orientalische Fest in Ägypten, wo Sami geboren ist. Als Bannwart aus Kairo zurückkommt, hat sich gegen Metropolis Opposition von links und rechts formiert. Unterschriften für eine Volksabstimmung werden gesammelt, und immer aggressiver richtet sich die Propaganda gegen den deutschen Investor und seinen ›Protz-Klotz‹.
Doch Bannwart ist kein Mann, der vor Widerständen kapituliert. Als Direktor des Amtes für Städtebau ist er Auseinandersetzungen ebenso gewohnt wie Erfolge. Mit einer Debatte am Lokalfernsehen gelingt es ihm, Metropolis populär zu machen. Etwas ratlos ist Bannwart dagegen in einem familiären Konflikt: Am Weihnachtsessen erwähnt Nora beiläufig, dass sie Muslimin sei. Die Grossmutter reagiert entsetzt, es kommt zum Streit, und Nora beschliesst, drei Monate lang das islamische Kopftuch zu tragen. Aus Trotz und nicht aus
Glaubensgründen. Sie will der Grossmutter und der Welt vor Augen führen, dass Musliminnen auch moderne, westliche Frauen wie sie sein können. Ihrem Mann Sami ist das sehr peinlich; er ist nicht religiös und fürchtet, Noras Demonstration könnte seine Einbürgerung gefährden. Als Nora plötzlich in Untersuchungshaft sitzt, dauert es nicht lange, bis die Medien wissen, wer der Vater der inhaftierten Muslimin ist. Auf einmal muss Robert Bannwart seine Familie und sein Amt vor zudringlichen Journalisten schützen. Im Strudel der Ereignisse verliert er die Übersicht und für einen Moment auch die Kontrolle über sich selbst.
(Klappentext Edition 8)
In Zürich herrscht Aufruhr. Die Stadt plant ein Medien-Center am Nordrand der Stadt, das unweigerlich Proteste auslöst. Als dann auch noch die Tochter des städtischen Chefbeamten für Hochbau mit einem Kopftuch Aufsehen erregt, wird das öffentliche Interesse erst recht angeheizt. Das Privatleben des Beamten gerät unter Beobachtung, die Abstimmung über das Projekt geht verloren, die Sieger fordern Köpfe. Daniel Suters kundig recherchierter und gewitzt aufgebauter Krimi trägt zuweilen zwar etwas dick auf, er hält der Metropole Zürich aber einen träfen und obendrein amüsant zu lesenden Spiegel vor. (Beat Mazenauer)