Der gebremste, der bewegte Frühling, und jetzt ist es Sommer
Ein literarisches Tagebuch

»Ich habe eine Liege von Le Corbusier. Eine Ikone des Designs. Sie gehört so sehr zu dem Menschen, der sie mir hinterlassen hat, dass sie nie wirklich meine gewor- den ist. (...) Die Corbusier-Liege steht im Wohnzimmer, doch ich benutze sie selten. Denn kaum liege ich darauf, geschieht zweierlei: ich nehme mich selbst in der Gestalt der Person wahr, der sie gehört hat, fühle mich gefangen, und zugleich ist es wie in einer Badewanne, bequem, doch ich kann mich nicht rühren. Sie bietet keine Reibungsfläche, sie zwingt mich in eine Haltung, von der ihre Erfinder dachten, es sei die Richtige zum Lesen oder um sich auszuruhen. Das Möbel macht mich immobil. Vielleicht sollte es seinen Besitzer wechseln.«

Ariela Sarbachers Tagebuch des Frühlings und Frühsommers 2020 macht die akute Versehrung der Welt durch eine Schriftstellerin und Mutter erfahrbar, die ihre Rolle in der Gesellschaft findet – und gleichwohl hinterfragt.
Ob wir in Ligurien den Menschen beim Baden begegnen oder in Zürich und Berlin in der Ungewissheit ihres Alltags: Sarbachers erzählerische Vignetten und Gedanken kreisen um das Motiv der Verantwortung, des Befremdlichen und nicht zuletzt um den Zauber der Freundschaft.

(Telegramme Verlag)