Hasenleben
Roman

»Und irgendwo schlüpften eine Hasenmutter und ihre zwei Jungen wieder mal in einen Gully, zogen von unten den schweren Deckel übers Loch. ... Irgendwo würden sie wieder ins Licht steigen. Und auspacken und neu anfangen. Immer wieder.«

Lili führt ein unstetes Leben, verdingt sich als Kellnerin, zieht mit ihren beiden Kindern durch die Schweiz. Sie träumt von einer guten Ausbildung, einem Familienleben, während sie die Nächte in dunklen Kellern durchtanzt, ihre Kinder sich selbst überlässt.
Der kleine Werner streift unablässig durch Hotelflure und spioniert die Gäste aus. Er träumt davon zu sein wie seine ältere Schwester. Emma ist ruhiger, sitzt oft einfach am Fenster und ritzt an ihren Armen.
In St. Moritz taucht eines Tages ein Mann auf, dessen Name allen dreien sehr bekannt vorkommt. Und Lili ergreift einmal mehr die Flucht, bis – ja, bis ihr Leben durch ein tragisches Ereignis endgültig aus den Fugen gerät.

(Buchpräsentation Dörlemann)

Kurzkritik

Wie von einer unsichtbaren Hand getrieben, zieht die junge, alleinerziehende Mutter Lili durchs Land. Ihre Kinder sind im rastlosen Reiseleben über Genf ins Tessin und nach St. Moritz weitgehend sich selbst überlassen. Das hinterlässt Spuren. Die vielen Wechsel, die Flüchtigkeit der Aufenthalte: das ist ein «Hasenleben», das auch die Tochter Emma bald gut beherrscht – Haken schlagen, vor sich davon rennen, sich immer wieder neu erfinden. Jens Steiners Romandebüt über fehlende Geborgenheit in der Kindheit und besondere Überlebensstrategien überrascht durch eine intensive Bildlichkeit und einen ganz eigenen Ton, der Poesie und Realismus verbindet. (Bettina Spoerri)