Sieben Jahre Roman
Seine kluge Konstruktion sieht man dem Roman Sieben Jahre nicht auf den ersten Blick an. Scheinbar unprätentiös, mit Alltags-Grautönen in der Sprache camoufliert, erfahren wir die verwirrende Geschichte eines Mannes, der zwischen zwei Frauen hin- und hergerissen ist. Was ihn an der perfekten, ehrgeizigen Sonja, seiner Frau, fasziniert, lässt sich ebensowenig nachvollziehen wie der Magnetismus, den seine unscheinbare, hässliche und uninteressante Geliebte Iwona auf ihn ausübt. Durch diese Konstellation schneidet Peter Stamm seine erzählende Reflexion über die Liebe wie mit dem Skalpell aus den Liebesklischees heraus. Komplexe Lebenskonstruktionen lassen sich nicht auf einfache Nenner bringen. Es gelingt Peter Stamm, seine Figur einer Ratlosigkeit über seine eigenen Gefühle auszusetzen, die sich psychologischen Erklärungsmustern entzieht und damit in dunkle Zonen der menschlichen Existenz vorzudringen. (Christine Lötscher)