Im Schneeregen Eine Geschichte
Das Einfachste, das Schönste, wenn Schnee und Regen zusammen und in immer neuen Formationen auftreten, darüber schweigen sich die Wissenschaftler aus, sinniert Matthias Schwitter, der Protagonist in Thomas Schenks Im Schneeregen. Halb erfroren ist der Anlagenberater im Wald aufgefunden worden, im Krankenhaus verschmelzen Realität, Erinnerung und Fantasie. In lakonischem Tonfall umkreist der Text ein subtiles Mischverhältnis, den labilen emotionalen Zustand zwischen Nicht-mehr und Noch-nicht eines Mannes, der es vielleicht wagen wird, ein neues Leben anzufangen. Zwischen Bewusstlosigkeitszuständen und Erinnerungsfetzen ersteht langsam das berührende Bild einer Seele: eine bemerkenswert präzise und poetische Erkundung ungestillter Sehnsüchte. Thomas Schenks Romandebüt zeugt von grosser sprachlicher Stilsicherheit und stellt eine der Überraschungen der diesjährigen Literaturproduktion in der Schweiz dar – wenn der Autor mit diesem Buch auch eher leise die Bühne betreten hat. Doch an seine Spuren im Weiss wird man sich noch lange gut erinnern. (Bettina Spoerri)