Spaziergänger Zbinden
Roman

Kurzkritik

Der bald vierzigjährige Berner Autor gibt in seinem vierten Roman dem 87-jährigen Spaziergänger Zbinden das Wort. Der ehemalige Lehrer verbringt seinen Lebensabend im Altersheim. Dort spricht er mit seiner verstorbenen Frau Emilie, mit den Heimbewohnern und vor allem mit dem Zivildienstleistenden Kâzim. Der alte Mann redet an gegen die Einsamkeit, gegen die Angst, die Sprache, die Verbindung zu den Mitmenschen, die Kontrolle über den eigenen Körper und den Verstand zu verlieren. Er erzählt von seiner Familie, von seinem mit dreizehn Jahren gestorbenen Bruder, von der über alles geliebten Frau, von dem schwierigen Verhältnis zu seinem Sohn und von der Zuneigung zu seiner Enkelin. Ausserdem preist er unentwegt die Wohltat des Spazierens, das er mit missionarischem Eifer pflegt. Wie aber reagieren seine Mitmenschen auf den nie versiegenden Redefluss? Früher hat ihm seine Frau einmal den Mund blutig geschlagen, sein Sohn hat ihn für verrückt erklärt und nun ergreifen die meisten Heimgenossen die Flucht. Kâzim, der Hauptadressat, bleibt sein treuer Begleiter – geht es ihm wie dem Leser, ist er bald gerührt, bald enerviert von diesem «selbsternannten Lebensberater»? (Ruth Gantert)