Zuckerglück
Roman

Kurzkritik

Röthlisberger hat seine Romane bisher im Norden Europas spielen lassen. Mit Zuckerglück führt er erstmals einen Schweizer Schauplatz ein: den Berner Vorort, wo er seine Kindheit verbrachte. Das Herb-Lakonische seiner nordischen Bücher hat er aber beibehalten, liefert er doch keineswegs eine süssliche Kindheitsgeschichte, sondern die Darstellung eines Heranwachsens, das ganz im Zeichen des Todes steht. Der Tod der Grossmutter raubte dem Buben früh die positive Bezugsperson, die ihm mit ihren Himbeerbonbons das Zuckerglück des Titels ermöglichte. Der Tod der Schwester zerstörte den Familienfrieden, der Tod des Vaters riss Abgründe auf. Die anschauliche Evokation einer Zeit, in der die Buben gestrickte Kniestrümpfe trugen und Fünfermocken ein Stück Seligkeit bedeuteten, ist das eine, was das Buch leistet. Das andere aber ist die Konfrontation mit dem Drama einer unglücklichen Kindheit, die es auf berührende Weise plausibel macht, warum Röthlisberger den Schauplatz seines Schreibens bis jetzt fernab einer Welt voll unguter Erinnerungen gesucht hat. (Charles Linsmayer)