Das taube Herz Roman
In seinem Roman Das taube Herz thematisiert Urs Richle ein Faszinosum der Aufklärungszeit. Ein legendärer Schachautomat, der «Schachtürke» des Wieners Wolfgang von Kempelen, verstört die Geister und fasziniert sie zugleich. Ein intriganter Pariser Orgelbauer will diese intelligente Maschine mit eigenen Mitteln schlagen – einem perfekten Automaten, in dem in Wahrheit aber ein Mensch versteckt ist. Der hochbegabte, doch arme Uhrmacher Jean-Louis Sovary aus Le Locle soll diesen Traum realisieren. Er wird kurzerhand gekidnappt, ebenso wie eine verwirrte, geniale Schachspielerin. Die beiden Gefangenen nutzen ihr Geschick jedoch, um die Freiheit wieder zu gewinnen. Urs Richle erzählt diese Geschichte als historisches Zeitgemälde, in dem detailscharf das Faszinosum jener Jahre, der Mensch als Maschine, sichtbar wird. Demgegenüber wirken die handelnden Figuren, allen voran Sovary, etwas allzu märchenhaft idealisiert. (Beat Mazenauer)