Lieder I & II
Sind es Gedichte, sind es Lieder? Der Schriftsteller Roger Monnerat entscheidet die Frage im Titel seines Booklets mit Doppel-CD: Lieder I & II. Der Abdruck der Texte regt ihre genaue Lektüre an, doch man sollte es nicht versäumen, sie auch zu hören. Von schlichten elektronischen Klängen begleitet, wird Monnerats Liedpoesie musikalisch nicht erdrückt, sondern diskret akzentuiert. Sie knüpft dabei an alte Traditionen des Bänkel- und Minnesangs an. Der quirlige Leichtsinn des Schweden Carl Michael Bellman klingt nach, oder Boris Vians zarter Abgesang auf vergangene Bohème-Herrlichkeit. «ich weiss dass man älter wird / wenn man gerne jünger wär» – packt Monnerat seine Lebenserkenntnis in zwei schlichte Zeilen. Seine Lieder I & II singen den Blues, doch ohne darob in Trübsinn zu verfallen. Die Erinnerung hält die Melancholie aus, doch mit Bescheidenheit – «Ich singe einfache Lieder» – weiss der Sänger genau, dass jene dem «Radumlauf der Geschichte» abgetrotzt ist. Denn: «gelassen geht die nacht an land». (Beat Mazenauer)