Tontauben Roman
Zwei Geschichten erzählt Annette Mingels in ihrem neuen Buch Tontauben, die schliesslich zu einer verschmelzen. Auf einer Insel in der Nordsee kommt die vierzehnjährige Tochter von Anne und David ums Leben, sie wird von einem Auto angefahren und dabei tödlich verletzt. Das Paar zerbricht beinahe an der Trauer um Yola, und Anne flieht sich in eine Affäre mit ihrem Psychologen. Die Mediävisten Esther und Frank wiederum lernen sich auf eben dieser Insel während eines Kongresses kennen. Doch am letzten Abend ihres Aufenthalts kommt es zu einem fatalen, folgenreichen Streit zwischen ihnen. Mit feinen, aber genau gesetzten Pinselstrichen zeichnet Annette Mingels – ein wiederkehrendes Thema in ihrem Schreiben – die emotionalen Stimmungen der beiden Paare. Wenn auch die Zeichnungen der einzelnen Figuren hinter einer ausgeklügelten Dramaturgie zurückstehen müssen, so gelingt es der Autorin in dem Roman die beiden Erzählstränge, die am Ende in einer entsetzlichen Enthüllung kulminieren, auf raffinierte Weise immer wieder aufeinander verweisen zu lassen. (Bettina Spoerri)