Fallhöhe Roman
Wenn Menschen, sei’s in der Familie, sei’s in einer Klasse, ihre Kinder- oder Jugendjahre gemeinsam verbracht haben, genügt Jahre später oft ein Zusammentreffen, damit alte, längst überlebt erscheinende Konstellationen sich sofort wieder einstellen. Diese Erfahrung greift Sabina Altermatt auf, um nicht mehr wie in ihren Krimis ein Verbrechen aufzuklären, sondern viele kleine Gemeinheiten. Der Romantitel erinnert ans barocke Trauerspiel, aber zu hoch sind die Schülerinnen und Schüler, die sich fünfzehn Jahre später wieder sehen, in ihren jugendlichen Ehr- und Eifersüchteleien nicht gestiegen. «Sind wir erwachsen?», fragt die Frau Adrians diesen, der am Klassentreffen erfährt, warum er Sandra, seine Jugendliebe verpasst hat, und wir fragen uns bei der Lektüre mit ihr, ob für die Figuren dieses Romans die Zeit stehen geblieben ist und sie nicht anders können, als ins Startfeld ihres Gänseleiterspiels zurückzukehren. Zum Schluss erweist sich, wie im Krimi, dass die Rückkehr in die Vergangenheit nötig war, um mit alten Schuldigkeiten aufzuräumen. (Daniel Rothenbühler)