Kussnester
Gedichte

Kurzkritik

Dreissig Jahre nach seinem ersten Gedichtband meldet sich der Maler und Schriftsteller aus Basel zum zehnten Mal mit einer Veröffentlichung. Diesmal hat er seinen Gedichten auch vier Tuschezeichnungen beigegeben. Sie unterstreichen das Motto, das im ersten Gedicht angesprochen wird: «Gedichte / lies sie einmal dunkel / einmal hell / lies sie mit den Augen des Mittags / und lies sie / mit den Augen der Mitternacht». Dieser Poet hat nicht nur ein Auge für Licht und Dunkel, sondern auch ein Ohr für die entsprechenden Modulationen der Laute. Seine Musikalität beweist er noch in den kürzesten aphoristischen Zweizeilern: «Wehende Alleen anlegen / nicht Gärten der Vernunft». In Bildern und Tönen öffnen sich diese Sprachminiaturen ins Weite, Unabsehbare. In der «Lust Unberührtes zu berühren» gelingt es Lutz, dem Augenblick seine Vergänglichkeit zu belassen und ihm zugleich fortdauernde Wirkkraft zu verleihen. «Bezaubernd der Tag / der keinen Kalender kennt», lautet der letzte Zweizeiler. Es scheint fast, der Autor wolle sich der Feier seines achtzigsten Geburtstag im Jahr 2010 zum Vornherein entziehen. (Daniel Rothenbühler)