Flucht aus dem Irisgarten
Erzählungen

Kurzkritik

Kämen sie nicht sehr viel moderner daher, könnte man die Erzählungen als klassische Novellen bezeichnen. Wobei die allmähliche Enträtselung einer unerhörten Begebenheit ihnen oft eine Spannung verleiht, wie sie auch von eigentlichen Kriminalgeschichten kaum je erreicht werden. In «Schwimmen» ist es ein Buch, in das sich Else, die jung verheiratete, von ihrem Mann zärtlich «Forelle» genannte Frau, in ihrer Sehnsucht nach dem Meer förmlich verguckt zu haben scheint. In der Erzählung «In ihren Armen» ist es ein Umschlag mit Samen, der in fast stifterschem Duktus überleitet zu einer Geschichte, in der am Ende eine aus eben diesem Samen hervorgegangene Zimmerpflanze ein Liebespaar erwürgt. In «Cristallina» hält sich ein Doktorand, der über eine verschollene Autorin dissertiert hat, in dem Bergdorf auf, in dem man die Verstorbene zuletzt gesehen hat. Mit Hilfe der behinderten Nora stösst er zwar auf eine heisse Spur, muss aber gleichzeitig erleben, dass sein hartnäckiges Recherchieren in der Zeugin auf eine derart gefährliche Weise Verdrängtes wiederbelebt, dass sie der Dichterin 28 Jahre später noch in den Tod folgt. (Charles Linsmayer)