Depeschen nach Mailland
Nachdem sie anfangs 2002 vom Radio DRS2 zu einem Gespräch über Jazz eingeladen worden waren, begannen die Schriftsteller Jürg Laederach und Michel Mettler einen regen Email-Wechsel. Drehen sich Laederachs elektronisch versandten Zeilen – Mettler tritt nur als Angesprochener in Erscheinung – zuerst noch um Jazzmusiker, LP-Raritäten und CDs, Musikhören und Jazz als Metapher, berichten sie bald auch von Lektüren und Filmen, Computerabstürzen, Operationen und Ärzten oder von Alaska. Da tritt auch einmal ein Grizzlybär in einem Literaturhaus auf – oder der Einkauf eines guten Kugelschreibers entwickelt sich zu einem Irrlauf fast ohne Ende. Wie Mettler in seinem Nachwort schreibt, sieht man hier die «Kraft der Augenblicksentstehung» und «gegenwärtige Kreationsfeuer» einer halbmündlichen Sprache von Laederach am Werk: eine faszinierende und gleichzeitig unterhaltsame Lektüre sind diese «Depeschen» in das Land der Mails. (Bettina Spoerri)