Der Geist am Berg
Tim Krohn greift tief in die Mottenkiste der romantischen Mythen über das Naturvölklein in den Schweizer Alpen. Aber er bleibt nicht darin hängen wie manch anderer, sondern spielt in postmoderner Ironie mit den Anachronismen einer Alpenwelt, die sich durch Tourismus, Technik und Banken ebenso bedroht wie erhalten fühlt. Für Stine, die edle Wilde, die nichts will als ihre Ziegen, die Mumma und den Knecht Severin – der hin und wieder zum stummen Aneinanderreiben herhalten muss – wird eine Schallplatte zum Verhängnis, die einst ein italienischer Melker samt Plattenspieler zurückgelassen hat. Als das Stromaggregat explodiert und die Bank keinen Kredit mehr gewährt, beginnt Stine als Kellnerin im Grandhotel zu arbeiten. Sie findet sich schnell zurecht, weil sie Personal und Kunden beobachtet und von ihnen lernt, «wie sie am Berg die Gämsen beobachtet» und imitiert hat. Doch als sie am Karaoke-Abend das italienische Lied ihrer Schallplatte singt, beginnt die Liebe zu Bruno aus Genf, die die beiden in den Untergang stürzen wird. (Daniel Rothenbühler)