Stille Post Kleine Prosa
«Reisen» ist das Stichwort, mit dem man die elf sehr unterschiedlichen Texte im Prosaband Stille Post bündeln könnte. Sie umfassen Urs Widmers ganze Schaffenszeit von 1969 bis 2011. Von tatsächlichen und imaginären Reisen handelt der Band, von Orten, die der Erzähler aufgesucht hat, und Städten, wo er nie war und nie hingehen wird, Timbuktu zum Beispiel oder der Polarkreis. Ja, vielleicht sind diese vorgestellten Orte die schönsten und die Kopfreisen die köstlichsten und kostbarsten. Der Band enthält aber auch Zeitreisen und Begegnungen mit längst verstorbenen Personen, sogar ganze Lebensreisen. Nicht zu vergessen die Textreisen von einer Sprache in die andere mittels Übersetzung. Urs Widmers Geschichten lösen sich rasch vom schweren Bodensatz des Realen, manchmal schon mit dem ersten Satz, und entschweben, beflügelt durch die Fantasie. (Christa Baumberger)