Herr Adamson Roman
Am 22. Mai 2032, kurz nach seinen 94. Geburtstag, spricht der Ich-Erzähler von Urs Widmers Roman für seine Enkelin alles auf Band, was mit dem sagenhaften Herrn Adamson zusammenhängt. Obwohl er ebenfalls 1938 in Basel geboren wurde, ist dieser Ich-Erzähler nicht mit dem Autor identisch, steht ihm aber in Sachen Witz und Fantasie um nichts nach. Herr Adamson ist der «Vortote» des Erzählers, denn er ist im Augenblick seiner Geburt gestorben und wird erst seine endgültige Ruhe finden, wenn er seinen Schützling in die ewigen Jagdgründe geleitet hat. Dazwischen aber kommt es nach bester Fantasy-Manier immer wieder zu Begegnungen zwischen den beiden und ermöglicht die eigenwillige Totenmythologie dem Protagonisten auch sonst Abenteuer wie jenen Trip nach Amerika, wo er auf mysteriöse Weise Zeuge eines Vorfalls aus dem Jahre 1938 wird, bei dem eine Gruppe von Navajo-Indianern niedergemetztelt wurde. Widmer verbindet Kindheitserinnerung und Todesvision, Science-Fiction und Fantasy, Horror und Archäologie, Western und Indianergeschichte zu einem hinterhältig grotesken Erzählvergnügen, dem man sich nur schwer zu entziehen vermag. (Charles Linsmayer)