Die Stecknadeln des Herrn Nabokov

Kurzkritik

Bekannt geworden ist er als Autor der gewichtigen Trilogie des Erinnerns: Drei Romane, in denen die eigene Familiengeschichte mit den epochalen Umbrüchen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verknüpft wird. Nach diesem weitgefächerten Panorama wendet sich Christian Haller mit Die Stecknadeln des Herrn Nabokov nun der kleinen Form zu.
Die Chaos-Theorie bildet das Strukturprinzip der hier versammelten Texte: Sie besagt, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings auf der anderen Seite des Erdballs einen Wirbelsturm auszulösen vermag. Jeder dieser Texte ist ein solcher Flügelschlag. Wie Schmetterlinge schweben sie von einem Ding zum nächsten, reihen Beobachtungen, Assoziationen und Gedanken aneinander. Gerade in der schwebenden Leichtigkeit liegt ihr literarisches Gewicht. Alltägliches wie eine Zeitungslektüre oder eine Autofahrt, aber auch Vergängliches oder tatsächlich Vergangenes wird ins Licht gerückt. «Zur Kunst gehört, niemals die Stecknadeln sichtbar zu machen, an der hängt, was vorgibt zu schweben», so heisst es im titelgebenden Text. Man könnte dies als Motto allen Essays voranstellen. (Christa Baumberger)