Die besseren Zeiten

Kurzkritik

Abschied im Spannungsfeld von Kontinuität und Bruch, Anpassung und Widerstand ist das grosse Thema des Romans Die besseren Zeiten, des letzten Teils von Christian Hallers Familien-Trilogie. Im Mittelpunkt stehen die Eltern des Erzählers. Während die Mutter immer mehr in der Erinnerung ihrer Jugend im eleganten Bukarest der Dreissigerjahre versinkt und sich ihrem Ehemann entfremdet, versucht der Vater W. im Dorf, in das die Familie umziehen musste, mit seinem industriellen Betrieb Fuss zu fassen. Aber «bessere Zeiten» sind nicht gute Zeiten. Allenfalls für einen Emporkömmling wie Hackler, den Kompagnon und Widersacher, der W. benutzt, demütigt und verdrängt. Wir sind in der Zeit des «Wirtschaftswunders» der Fünfzigerjahre, einer Zeit der Skrupellosigkeit. Was nicht mehr passt, hat zu verschwinden: Landschaften, Menschen, Werte. Für den Schriftsteller gewordenen Erzähler ist es die Erfahrung, dass das Verlorene mit Worten nicht zurückzugewinnen ist. Denn Schreiben heisst sich erinnern. Und Erinnern heisst Widersprüchliches: zurückkehren und aufgeben. Zuletzt dann auch den Vater, von dem er die «Augen» geerbt hat: das Schauen und die Liebe zum Licht, zu den Bildern. Unaufwendig und subtil gelingt Christian Haller die Darstellung einer prekären, von Schuld und Zuneigung geprägten Sohn-Vater-Beziehung. (Samuel Moser)