Im Hundumdrehen

Kurzkritik

Ein Hund geht auf die Gasse, verrichtet sein Geschäft, geht weiter, als ob nichts wäre und lässt den Erzähler an einen Dichter denken. Das Buch erzählt diese Geschichte in siebzig Variationen. Variiert werden nicht nur die Sprachen. Vom Jenischen über das Friesische und Jiddische bis zum Obwaldnerischen und Wienerischen, sondern auch die Jargons, z.B. jener der Fussballer, der Seeleute oder der Psychoanalytiker und literarische Genres und Stilrichtungen wie das Palindrom, der Haiku und die konkrete Poesie. Das Ganze mündet in den Kommentar eines Schülers, der sich willig, aber völlig verloren, auf einen Text einzulassen versucht, den ihm der Lehrer zur Interpretation überlassen hat. Dieses Buch macht sich über alle literarischen Interpretationen und Ambitionen lustig, die sich selbst zu ernst nehmen. Es lädt uns ein, uns auf ein kundiges Spiel mit allen Konventionen der Sprache und Literatur einzulassen. Ein wahres Vergnügen. Oder wäre eine tiefere Erklärung für das Ganze bei Heraklit zu suchen, der schon im 6. Jh. v. Chr. erkannte, dass «nie jemand zweimal das gleiche Häufchen machen» wird? (Daniel Rothenbühler)