Wie wir
Roman

Kurzkritik

Fast zwanzig Jahre nach Soulthorn publiziert Jaeggi mit wie wir einen ausdrucksstarken, radikalen und vitalen neuen, dreiteiligen «Roman». Der dritte Text, eine negative Utopie, ist narrativ der traditionellste. Der erste ist gebrochener. Todeserfahrungen der Hauptfiguren bringen Zeiten und Räume mehrfach durcheinander. Noch weiter geht der mittlere Text «Vol terra». Im Zentrum steht eine im Zug der Anti-Psychiatriebewegung aufgelassene Irrenanstalt in der Toskana. Nur die Irren sind noch da. Der Erzähler schaut und hört zu mit dem unerfüllbaren Wunsch nach ihrer Welt, in die «keine Erklärung eindringt». Aber so wie die Krankengeschichten in der aufgelassenen Anstalt von Volterra zerfleddert und vermodert am Boden liegen bleiben, werden auch die Grenzen zwischen Irren, Erzähler und Autor nicht klar konstituiert. «Vol Terra» ist ein Text-Ort zwischen Traum und Wirklichkeit. Stimmen, Töne, Bilder und Sätze überlagern sich. Offenheit wird zur Form. (Samuel Moser)