Finsteres Glück
Roman

Kurzkritik

Aus der Perspektive einer Psychologin beginnt Lukas Hartmann eine Geschichte über verlorene Geborgenheit zu erzählen: Der achtjährige Yves hat in einem Autounfall seine ganze Familie verloren, und die Fachfrau wird herbeigeholt, um dem Jungen mit dem tiefen traumatischen Schock langsam wieder in die Realität zurück zu helfen. Der Autor hat sich eine schwierige Ausgangssituation geschaffen: Im ersten und weitaus umfangreichsten Teil seines Romans liefert die erzählende Person gleichzeitig die Analyse ihrer Handlungen – und auch die anderer Figuren – mit. Daneben entwickelt die symbolisch aufgeladene Analogie zwischen einer (realen) Sonnenfinsternis und der Bildszenerie des Isenheimer Altars sowie gar ein Zeitsprung in die Entstehungszeit der Gemälde eine eher mystische Dimension. Was auf solche Weise an Bedeutungsschwere strapaziert wird, erreicht der Text andernorts überzeugender, wenn er auf eher nüchterne, zurückhaltende Schilderungen vertraut. (Bettina Spoerri)