Bis ans Ende der Meere
Roman

Kurzkritik

«Es ist die Weite, der Blick ins Offene, die dauernde Bewegung im Stillstand … Man muss sich tragen lassen vom Meer und zugleich wissen, dass es bodenlos ist, unergründlich.» John Webber, die Hauptfigur von Hartmanns Roman, spricht etwas aus, was das Lebensgefühl dieses abenteuerlichen Künstlers unmittelbar modern erscheinen lässt. Auf James Cooks dritter Südseereise wird der Schweizer Expeditionsmaler 1788/89 Zeuge einer katastrophalen Kulturbegegnung zwischen der westlichen Zivilisation und den sogenannten Eingeborenen und erlebt auch den Tod des legendären Seefahrers unmittelbar mit. Und doch ist er später gezwungen, die Wahrheit, die er in einem geheimen Tagebuch fixierte, gegenüber der offiziellen Lesart zurückzustellen, die aus dem verbrecherischen Umgang mit fremden Völkern einen Triumph und aus dem selbstverschuldeten Untergang des ehrgeizigen Kapitäns einen Heldentod macht. Hartmanns meisterhaft komponierter Roman ist nicht nur eine höchst lebendige, spannend geschriebene exotische Abenteuergeschichte, sondern auch die hintergründige Analyse einer Zeit, in der die Wurzeln für vieles gelegt wurden, was uns heute auf den Nägeln brennt. (Charles Linsmayer)