In Zelenys Zimmer
Roman

Kurzkritik

Wer hat nicht schon einmal gedacht, dass sich eine Psychotherapeutin im Lauf eines Tages eine grosse Anhäufung von Ungeheuerlichem, aber vor allem auch von Banalem anhören muss? Der Schauplatz in Annette Hugs zweitem Roman ist ein Zimmer im Hochparterre, wo ein Ficus, aber insbesondere eine Liege stehen: Das ist das Therapiezimmer von Vera Zeleny. Die empfängt hier ihre Analysanden, deren fünf wir mitsamt ihren Ängsten, Wünschen – und Macken in diesem Buch kennenlernen. Da ist der Student mit seiner Schlaflosigkeit und seinen Weltuntergangsfantasien, die neugierige Journalistin, die depressive Hausfrau, deren Mann sie verlassen wird, die lesbische Denise mit schwieriger Kindheit. Und seit dreissig Jahren kommt Herr Blatter, ein demnächst pensionierter Amtsrichter, zu Frau Zeleny, an die ihn sehr wahrscheinlich mehr als die vielen Geschichten bindet, die er ihr schon erzählt hat. Ein einmal ernster, dann wieder leichter und augenzwinkernder Text ist In Zelenys Zimmer, der auf doppelbödige Weise zeigt, wie sehr wir Geschichten brauchen, um leben zu können. (Bettina Spoerri)