Maus im Kopf Roman
Sandra Hughes setzt ihre Leser mit sanfter Entschlossenheit im Kopf ihres Protagonisten Finn Linder aus. Dieser, wir erfahren es ganz allmählich, hat alles verloren: seine Frau, seine Stelle, seinen Verstand. Geblieben ist dem ehemaligen Buchhalter der verzweifelte Versuch, ein inneres Ordnungssystem aufrecht zu erhalten, indem er sogar noch aus Buchstaben Zahlen macht: er fügt sie in die Felder des Kreuzworträtsels ein. Raffiniert verschränkt Sandra Hughes die Welt der Online-Games und der Internet-Angebote mit Linders Gedanken. Man erfährt die Lebensgeschichte eines Bulimikers, dem die Kontrolle über sein Leben an dem Tag entglitt, an dem er nicht mehr erbrechen konnte. Seither ist er schwer übergewichtig, weil er den Chipstüten und Süssigkeiten nicht widerstehen kann. Doch nicht Linders trauriges Leben ist es, das einen dazu bringt, dieses Buch gebannt zu lesen. Es ist sein Blick. Hughes gestaltet Linders Blick auf die Welt mit furchtloser Drastik, ohne psychologische Erklärungsangebote zu machen, die gegen die Irritation helfen könnten. (Christine Lötscher)