Alle Farben des Schnees
Senter Tagebuch

Kurzkritik

Was geschieht, wenn eine renommierte Reporterin mit Mann und Kind aus Deutschland in ein Schweizer Bergdorf zieht? Sie beobachtet: die Dorfbewohner, aber auch sich selbst und ihre Familie in der fremden Umgebung. Sie recherchiert: die Geschichte des Dorfes mit seinen emigrierten und den gebliebenen Bewohnern. Und sie notiert: den Wechsel der Jahreszeiten, ihre Gedanken und Gefühle in den ersten und den folgenden Monaten. Aus diesen Beobachtungen, Recherchen und Notizen ist Angelika Overaths Senter Tagebuch entstanden: Alle Farben des Schnees. Der Titel deutet bereits an, dass der Reichtum dieses Bandes in feinen Schattierungen und Zwischentönen besteht. Die Eintragungen lassen den Leser in eine sogenannt kleine Welt eintauchen, weit weg von jeder Metropole und doch von grosser Welthaltigkeit. Das (Lese-)Auge braucht Zeit, um diese wahrzunehmen, denn unaufgeregt und beiläufig wird hier erzählt. Jenseits jeglichen Voyeurismus hat sich Overath mit diesem Buch auch ein Laboratorium eingerichtet: einen Speicher an Geschichtsanfängen, Momentaufnahmen, Miniaturen, die vielleicht noch zu eigenständigen Texten heranwachsen. Man würde es sich wünschen. (Christa Baumberger)