Flughafenfische Roman
In ihrem zweiten Roman evoziert die deutsche, heute im Unterengadin wohnhafte Schriftstellerin und Literaturkritikerin Angelika Overath einen Mikrokosmos der modernen Welt. Im Transit-Bereich eines Flughafens treffen mehrere Menschen aufeinander – oder sie driften aneinander vorbei, unterwegs von der einen Destination auf dem Erdball zu einer anderen. Mit feinen Strichen, intensiv und detailgenau beobachtet, schildert Overath das Verhalten der Menschen in diesem seltsamen Nirgendwo. Ein älterer Biochemiker betrinkt sich im Raucher-Bereich mit Whisky und versucht zu verstehen, warum ihn seine Frau verlassen hat. Elis, eine Reportagefotografin, wandelt, von all ihren Reisen tief erschöpft, durch die Gänge. Inmitten des Transit-Bereichs betreut Tobias ein grosses Aquarium mit Meerfischen und beobachtet das Kommen und Gehen der Menschen um ihn herum. Zwischen ihm und Elis bahnt sich eine Annäherung an, aus der vielleicht mehr entstehen könnte. Flughafenfische zeichnet ein Bild der Unverbindlichkeiten in einer globalisierten Gesellschaft: Ein kluger und zarter Roman, in einer zurückhaltenden, aber präzisen Sprache geschrieben. (Bettina Spoerri)