Zur Irrfahrt verführt Gedichte
Ankommen und Abreisen, zwischen diesen bewegenden Polen des Seins situiert Roman Graf seine Lyrik. Sie atmet Unruhe – hält sich bereit für den unverhofften Wechsel und konzentriert sich kurz angebunden aufs Notwendigste. Graf verzichtet gerne auf das verbindende Verb, lässt vielmehr die Nomen im Stakkato stehen, wodurch seine Gedichte einen dunklen, harten Klang erhalten. Dazwischen stehen die Abgründe, das Vergessene, Ungesagte – das sich oft doch erahnen lässt. «Welt noch nicht untergegangen. / Hält im Gleichgewicht. Zuhause die Arbeit, / Ein Gedicht verficht irgendetwas.»
So verbinden sich schillernde Offenheit mit einer Dichte, die Konkretes verbirgt. Darunter lassen sich erahnen: die Rückkehr nach Hause, Familienbesuch, Liebesbegegnungen, das Reisen durch fremde Landstriche, Alleinsein, Tod. Das lyrische Ich hält sich dabei bedeckt und diskreditiert sich nie. Eine Reverenz an den Dichter Rolf Bossert wird zum Programm: «Du machst Poesie / Redest Dinge um, / Stumm.» (Beat Mazenauer)