Schandbriefe Roman
Im fünften Buch der Ostschweizer Autorin bekommt die Ich-Erzählerin mit achtzehn Jahren ein Kind, das sie alleine aufzieht. Der «Erzeuger», wie sie ihn nennt, soll zahlen und fernbleiben. Ihr genügt das Leben mit dem Kind, der Zimmerpalme Toni, der Wohnung mit Stuckdecke und der Arbeit als Buchhändlerin. Wenn da nur nicht die anonymen Briefe wären, die die junge Mutter als «Schlampe» beschimpfen. Das ehemalige Kind ist nun dreissig Jahre alt, und ein Teil der Geschichte folgt seiner Sichtweise. Aik wird selbst Vater, doch seine schwangere Freundin Rena hat sich von ihm getrennt, sein Freund ist vorübergehend nach Kairo ausgewandert, und nur ein zugelaufener Hund verhindert, dass Aik völlig vereinsamt. Auf Betreiben von Rena bringt Aik endlich seine Mutter dazu, den Namen des «Erzeugers» aufzuschreiben. Der Sohn trifft schliesslich den unbekannten Vater in einem Kaffee. Viele Knoten lösen sich am Ende des Romans, man erfährt sogar den Ursprung der Schandbriefe. Aber alles endet zum Glück nicht in Minne, die Personen behalten ihre Schutzschicht, die ein nahes Zusammenrücken verunmöglicht. Die behutsame, genaue Sprache verleiht der unspektakulären Familiengeschichte einen eigenen Zauber. (Ruth Gantert)