Im Schilf
Roman

Die Angelhütte am See hat Viktor von seinem Schwiegervater geerbt. Hier haben Max und er Tage und Nächte der Seligkeit verbracht, halb verwildert, am Lagerfeuer, im Glück über den guten Fang. Als Viktor eines Morgens das Ruderboot aufs Wasser hinauslenkt, erreicht ihn ein Anruf: Man teilt ihm auf dem Amtsweg mit, dass sein Vater gestorben ist. Dieser Vater, der ihn ein Leben lang gegen eine Mauer der Ablehnung rennen ließ, löst nur wenige gute Erinnerungen aus, und eigentlich hat Viktor längst Max an seine Stelle gesetzt. So kommt ihm jetzt auch dieser andere Abschied in den Sinn, die Fahrt mit seiner Ex-Frau nach Irland, Max’ leerer Blick. Dessen letzter Wunsch, die Asche an einem Lieblingsstrand zu verstreuen, bescherte ihnen dann eine weitere, absurde Reise – mitsamt Urne die Küste entlang. Doch auch der echte Vater, der wenig über sich sprach, ruft nach einer Geschichte. Viktor entschliesst sich, ihm eine zu geben.
Geschickt verbindet Hansjörg Schertenleib in seinem neuen, sehr persönlichen Buch Momente des Angelglücks am Sihlsee mit einem Roadtrip durch Irland und erhellt parallel dazu das Schicksal eines Verdingbubs, der sein ungeliebter Vater war. Ein packender Roman um Beschädigung, Scheitern und Selbstbehauptung – temporeich und stringent erzählt.

(Atlantis Verlag)