Plötzlicher Schatten/Ombra improvvisa Gedichte Italienisch und Deutsch
In der Lyrik von Enzo Pelli, der erst spät mit dem Schreiben von Gedichten begonnen hat, ist mehrfach vom «Einklang der Gefühle» oder der «Übereinstimmung der Empfindungen» die Rede. Es handelt sich um einen Zustand, in dem sich alles wie «in der Schwebe» befindet, ja selbst ein Gebirgstal «schwebt» bei Pelli «zwischen scharfkantigen Bergen»; es sind dies jene seltenen Momente, wo die Welt quasi stille steht, wo Mensch und Natur eins sind.
Diese Augenblicke des Glücks und der Harmonie werden zu Pellis bevorzugtem poetischem Terrain, das er ohne Emphase, doch mit Eindringlichkeit und Luzidität erforscht, wobei er vor rein linguistischen oder mentalen Experimenten zurückschreckt. Er will den «Atem» des Schreibenden, seinen «Schritt» wiedergeben, sein Staunen, seine Verwunderung, seine Teilnahme. Beobachtung und Annotation, Gedanke und schreibende Hand sollen eins werden auf dem weißen Blatt, jedes Ding soll darauf «seinen Platz finden», wie es in einem der Gedichte heisst.
Christoph Ferber hat aus den bisher vier Lyrikbänden von Enzo Pelli eine Auswahl zusammengestellt, die nicht zuletzt auch eine Reihe von Gedichten zum Altwerden und zum Tod umfasst, im wahrsten Sinne des Worts «Miniaturen des Abschieds».
(Limmat Verlag)