Les Saisons du Mélèze
«Le soleil s’éveille et s’extirpe vaillant des hautes crêtes qui bordent le versant opposé de la vallée. Paul-Émile-Victor, Le Petit Court et Séverin Omar au sourire vif sont assis à l’unique table de la terrasse du Mélèze. La journée leur appartient. Ils viennent de remettre – couler ou consigner, comme on dit ici et dans les environs – le lait du matin à la laiterie intercommunale. Devant eux, dans l’ordre, une grande et une petite bière, un généreux verre de rouge, un paquet de Parisienne Carrées entre les deux bouteilles de bière et un de Nazionali devant le vin rouge. Le jour est jeune, le soleil est en train de se lever, comme nous l’avons dit plus haut, et compte tenu de l’heure matinale que le lecteur n’est pas en mesure de détecter avec précision, ce doit être un matin de début ou de fin d’été ou de printemps bien avancé ou d’automne à peine naissant.» - W. R.
In einem Bergdorf verbringen drei mit ihrem Spitznamen bezeichnete Dorforiginale ihre Zeit auf der Terrasse des Bistrots du Mélèze beim ausgiebigen Trinken, Rauchen und Diskutieren. Viele Themen kommen dabei zur Sprache: die Ökologie, die Herstellung und der Verbrauch von Lebensmitteln, die Beziehung zu den Tieren, der Tourismus, der Verkehr, die Arbeit, die Wissenschaft, die Theologie. Durch feine Ironie und manchmal einige Gemeinplätze ergibt sich aus den Gesprächen eine Art Gesellschaftskritik und Lebensphilosophie.
Im Lauf der Wortmeldungen und des Geschehens, auch dank anderer Figuren allen Alters, die im Dorf wohnen oder zeitweise dorthin zurückkehren, wird die Erzählung lebendig und farbig, während sich die Szenerie ausweitet. Man läuft durch die Strassen, betritt mehrere Häuser, entdeckt Ställe, Obstgärten und Weinberge, besucht eine selbstgebaute Schnapsbrennerei, beobachtet den Bau der Autobahn und erlebt einen Erdrutsch mit. Dies alles in unleugbarer theatralischer Qualität: Das Gesellschaftsleben wird mit grosser Beobachtungsgabe inszeniert, so dass die Widersprüche und Absurditäten unserer Zeit auf burleske Weise erscheinen.
Mehrsprachige, in die Erzählung eingestreute Zitate, Auszüge aus dem Tagebuch des ab und zu ins Irrenhaus eingelieferten «Dorfkünstlers» und die Erwähnung einer nicht offiziell anerkannten Nationalsprache, die im Dorf gesprochen wird, stellen die Rolle der Kultur und der Traditionen infrage – die Unterschiede zu respektieren und die die Vielfalt in all ihren Formen zu bewahren erweist sich als Herausforderung. Diese Thematik zieht sich als roter Faden durch den Text, der um eine wesentliche Frage kreist: Welches ist in der festgefügten Welt, die uns umgibt, der Spielraum unserer Freiheit, wie können wir Widerstand leisten, was können wir retten, erfinden, erschaffen?
(Claudine Gaetzi, Übersetzung Ruth Gantert)