Brasilia Stories
Leben in einer neuen Stadt

Der Traum vom neuen Menschen - 50 JahreBrasília Brasília gilt als letzte Utopie der Moderne. Vor genau fünfzig Jahren versprach der spätere Präsident Juscelino Kubitschek, im Falle seiner Wahl die «Stadt der Zukunft» zu bauen. Und tatsächlich: Eines der größten Länder der Erde streifte seine koloniale Vergangenheit ab - und eroberte sich selbst. Der Urbanist Lucio Costa entwarf eine Stadt, in der soziale Unterschiede verschwinden und die Gebäude nicht höher als sechs Stockwerke sein sollten - damit der Blick frei bleibt. Der Himmel, sagt Costa, ist das Meer von Brasília. Die Gebäude stammen von Oscar Niemeyer: weiße, elegante Bauwerke. Heute wirkt die Stadt auf den Besucher genauso faszinierend wie fremdartig. Sie erinnert einen an nichts. Brasília Stories richtet den Blick nicht nur auf die Architektur, sondern erstmals auf den Menschen: eine Stadt, von oben geplant, von unten betrachtet. Da ist der Koch des Präsidenten, der sich erleuchtet fühlt. Die Tänzerin, die ihren Körper neu erfindet. Der Videokünstler, der die Langsamkeit entdeckt. Oder der Mystiker, dessen Religion die Zahlen sind. Gemeinsam ist den von Carmen Stephan einfühlsam erzählten Geschichten, daß sie immer auch von den aktuellen Bedingungen des Daseins handeln: Was ist Natur? Was ist eine Stadt? Was ist der Körper? Was ist Heimat? Und schließlich: Was könnte es heißen, ein Mensch zu sein? Gleice Mere zeigt die Bewohner in ihrem Zuhause und vor den Monumenten. Kinderfotos stellt sie Aufnahmen gegenüber, die sie Jahrzehnte später noch einmal gemacht hat. Die Stadt fotografiert sie so, wie sie auch die Menschen größtenteils wahrnehmen: aus dem Auto heraus. Ergebnis ist ein einzigartiges Lese- und Bilderbuch, das vom Weg des Menschen zu sich selbst handelt.

(Blumenbar)