Ungewisses Manifest 6. Wunden
In Wunden blickt der Autor auf seine Kindheit und Jugend zurück. Er erinnert sich an den Tod seines Vaters, an einen seltsamen Autounfall in Francos Spanien, an die traumatische Erfahrung auf einer Nudisteninsel. Schreckliche und komische Ereignisse wechseln sich ab mit Streifzügen in die heutige Welt, nach Saint-Nazaire, Rom und Barcelona: Der sechste Band des Ungewissen Manifests ist ein autobiografisches Buch.
Die Erinnerungen stehen alle gleichwertig nebeneinander, sie werden nicht in mehr oder weniger bedeutende Ereignisse hierarchisiert. Pajak weigert sich auch, sie auszudeuten. Er stellt sie einfach hin, als wüsste er selber nicht so recht, was von alldem zu halten sei. Etwa von jener frühen Erinnerung, als er mit den Kindern seines Onkels in der Nähe einer psychiatrischen Klinik spielte: «Wir sprachen von den Irren und senkten dabei die Stimme, denn wir wussten nichts über den Wahnsinn.» Nicht mehr als das gibt Pajak preis, aber man ahnt, dass hier jemand einer Anziehung auf der Spur ist, die er nicht laut und deutlich aussprechen möchte. Später wird sich der Erzähler einmal «als gestrandete Seele inmitten von gestrandeten Seelen» bezeichnen. (Roman Bucheli, NZZ, 28.12.2021)