Das Archiv der Gefühle Roman
Peter Stamms Roman Das Archiv der Gefühle fragt, ob wir im Leben unsere Chancen erkennen?
Die Sängerin Fabienne heißt eigentlich Franziska, und es ist vierzig Jahre her, dass sie eng befreundet waren und er ihr seine Liebe gestand. Fast ein ganzes Leben. Seitdem hat er alles getan, um Unruhe und Unzufriedenheit von sich fernzuhalten. Er hat sich immer mehr zurückgezogen und nur noch in der Phantasie gelebt. Er hat sein Leben versäumt. Aber jetzt taucht Franziska wieder auf. Gefährdet das seine geschützte Existenz, oder nimmt er diese zweite Chance wahr?
(S. Fischer Verlag)
Die Welt scheint in einen tiefen Schlaf gefallen zu sein in Peter Stamms neuem Roman – und dieser Zustand weist über die Zeit der Pandemie hinaus auf die Situation des 55-jährigen Ich-Erzählers, der sich schlafwandlerisch durch sein Leben bewegt, ohne Entscheidungen zu treffen und ohne auf seine Mitmenschen einzuwirken. Alleinstehend, kinderlos, ohne Arbeit blickt der ehemalige Archivar auf seine Vergangenheit zurück, auf eine erste, zu zögerlich angebotene Liebe, auf zwei längere Beziehungen, die im Nichts verliefen. Ist es möglich, aus der Rolle des »Dabeiseienden«, des neben den anderen und neben sich selbst stehenden Beobachters auszubrechen? Peter Stamms atmosphärisch dichter Erzählton fasziniert wie das im Buch häufig auftauchende »Rauschen«. (Ruth Gantert in Viceversa 16)