Primitivo
Roman

Sommer 1982, Polo Hofer in der «Traube» in Wynau, im Publikum Charly, der Maurerstift, auch Laurence, «wo usgseht wi di jungi Simone Signoret», ist da, aber in Begleitung von Graber, «däm Sträber», und Charly dämmert es, dass er bei Laurence wohl nicht wird landen können. Da hilft nur ein Bad in der Aare und eine Flasche Bacardi. Umso mehr als Tage zuvor sein Freund Primitivo gestorben ist. Primitivo «dä aut Philosoph» wie er auf der Baustelle genannt wird geboren in Asturien zeit seines Lebens Maurer.
Liebevoll porträtiert Pedro Lenz die beiden, den Alten, der viel in der Welt herumgekommen ist, und den Jungen, der nicht viel weiter als bis zum Waldfest in Herzogenbuchsee fährt. Samstags sitzt Charly manchmal in Primitivos Zimmer und bei Forelle, Schinken, Käse, Weisswein reden sie nicht über «d Büez», sondern über Bücher. Weil Bücher, wie Primitivo sagt, «eim bim Nochedänke chöi häufe».

(Buchpräsentation Cosmos Verlag)

Kurzkritik

Bücher und Backsteine haben die gleiche Form, und mit beiden beschäftigt sich der siebzehnjährige Ich-Erzähler, der von seiner Maurerlehre im Langental der 80er-Jahre berichtet. Er liest Romane, um die Gymnasiastin Laurence zu beeindrucken, und Gedichte, die ihm der spanische Maurer Primitivo empfiehlt. Kurz vor der Pensionierung stirbt Primitivo bei einem unglücklichen Arbeitsunfall – aber gibt es glückliche Unfälle? Oder hat es etwa damit zu tun, dass Primitivo in Uruguay dem deutschen Naziverbrecher Mengele begegnet ist? Pedro Lenz’ Entwicklungsroman entlarvt Floskeln und Vorurteile und setzt ihnen die lebendige Mundart entgegen. (Ruth Gantert in Viceversa 15, 2021)