Ne pas laisser le temps à la nuit

Maiko se réveille dans une clinique de Bruxelles, une mystérieuse cicatrice au bas du dos et un souvenir lancinant dans sa mémoire en vrac: celui d’une adolescence heureuse à Hong Kong, brisée le jour où son père, microbiologiste de génie, a été porté disparu.
La jeune femme entreprend de se reconstruire et se jette à corps perdu sur les traces de son père. Même s’il lui faut arpenter les quatre coins du monde en hôtesse de l’air, talonnée par d’inquiétants poursuivants.
Dans ce récit d’une quête autant que d’une fuite en avant, Sonia Molinari saisit avec talent atmosphères et personnages, qu’elle observe et transcrit avec l’intuition d’une conteuse. C’est sans hésiter que l’on s’embarque à la suite de son héroïne rebelle et fragile.

(Présentation du roman, éditions Zoé)

Kurzkritik

In Sonia Molinaris erstem Roman Ne pas laisser le temps à la nuit ist die Protagonistin Maiko auf der Suche nach ihrem Vater, einem Mikrobiologen, der plötzlich spurlos verschwindet und in seiner Familie eine grosse Leere hinterlässt. Gleichzeitig sucht sie ihre eigene Identität, die sich in im Dunkeln verliert. Die junge Frau erwacht in einem Krankenhaus in Brüssel aus einem langen Koma, mit einer grossen Narbe am unteren Rücken – wie es dazu kam, weiss sie nicht. Als Stewardess fliegt sie mit lauter gestohlenen Identitäten kreuz und quer über den Planeten – nach Hong Kong, Brüssel, Tokyo, Norwegen, Neuseeland und schliesslich in die Antarktis. Mit Interpol auf den Fersen flieht sie vor einer schrecklichen, geheimnisvollen Vergangenheit, die sie gleichzeitig zu rekonstruieren versucht. Die Leserinnen und Leser folgen Maiko und ihren zahlreichen Avatars im Sog des geschickt gemachten, flüssig geschriebenen Krimis, der jedoch etwas oberflächlich bleibt. Man verirrt sich manchmal in der komplexen Handlung mit ihren zeitlichen und räumlichen Brüchen, vielleicht sinnbildlich für die junge Frau, die ihren Platz in der Welt sucht. Leider fehlt dabei die psychologische Tiefe der Personen, und die Auflösung erfolgt zu hastig, mit einem Liebesidyll, dass viele Fragen über Maikos Vegangenheit und die wissenschaftlichen Entdeckungen ihr Vaters offen lässt. (Carlotta Bernardoni-Jaquinta, Viceversa a lu... 19 mai 2020, Übers. rg)